Warum Jauch den Sendeplatz von Will übernimmt
Seit ein paar Wochen flimmert zu guter Abendstunde am Sonntag nicht mehr Anne Will über den Bildschirm der ARD. Jetzt streitet sich Günther Jauch nach dem Tatort mit Gästen aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft zu aktuellen Themen. Doch worin liegen die Gründe des Wechsels? Wo sich doch inhaltlich wenig zu Anne Will verändert hat. Um es zu verstehen, muss man einen kurzen Blick in die Vergangenheit werfen.
Von Sabine Christiansen zu Anne Will
Der späte Sonntagabend steht für die Programmplaner der ARD im Zeichen des Politiktalks. Mit Sabine Christiansen hatte man eine Talkmasterin von Format und ein Konzept, das sich in Deutschland schnell zur beliebtesten Talkshow durchsetzte. Mit dem Abgang von Sabine Christiansen im Sommer 2007 stand die öffentlich rechtliche Fernsehanstalt vor einem erheblichen Problem, da man keinen adäquaten Ersatz für die erfolgreiche und beliebte Talkmasterin finden konnte. Viele prominente Namen geisterten damals durch die Medienlandschaft und wurden als Nachfolger für Christiansen gehandelt. Günther Jauch war bereits als Nachfolger geplant, jedoch scheiterten nach mehreren Monaten die Vertragsgespräche mit dem Quotenmagneten, da die ARD zu hohe journalistische Exklusivität von Jauch verlangte. Jauch hingegen schwebte ein unterhaltsames Konzept eines Politiktalks vor. Um den Weggang von Sabine Christiansen schnell zu kompensieren, entschied sich die ARD für ein Pferd aus dem eigenen Stall. Mit der Moderatorin der Tagesthemen Anne Will wollte die ARD eine seriöse Sendung rund um politische und gesellschaftliche Themen einem breiten Publikum anbieten. Das Format von Anne Will unterschied sich dabei kaum von dem ihrer Vorgängerin. In der Regel werden Gäste mit weit unterschiedlichen Meinungen zu politischen Themen eingeladen, die häufig nicht an einer Konsensbildung interessiert sind, sondern die Sendung dazu nutzen, ihre politische Auffassung einem großen Publikum zu präsentieren. Dabei wird es trotz der fachlichen Eingriffe von Anne Will häufig laut und am Ende der Talkshow hat der Zuschauer zwar einige verschiedene Meinungen gehört, einen Lösungsansatz aber nicht erfahren.
Von Anne Will zu Günther Jauch
Anne Will galt für viele Zuschauer als zu bieder und ihr Politiktalk eher als Streitgespräch, das wenig unterhält. Darin sahen die Programmplaner der ARD eine Möglichkeit, die Quoten am Sonntagabend auszubauen und tauschten Anne Will gegen Günther Jauch aus, als der an einem Polittalk interessiert war. Anne Will wurde nicht abgesetzt, sondern auf einen anderen Sendeplatz verschoben, da man das Konzept der Sendung als unterschiedlich zu Jauch empfindet. Thematisch stimmt das jedoch nicht. Auch bei Günther Jauch werden verschiedene Gäste mit stark unterschiedlichen Meinungen eingeladen. Jedoch versteht es Jauch besser, die Gäste zu zügeln und am Thema zu bleiben. Zudem setzt Günther Jauch auf mehr Unterhaltung, was sich in einem neuen und größerem Studio ausdrückt, wobei die Zuschauer vor Ort mit Abstimmung oder Befragungen aktiv in die Sendung miteinbezogen werden. Der Wechsel von Jauch zu Anne Will ist hauptsächlich auf die Quoten zurück zu führen. Denn Jauch ist durch seine jahrelange Popularität mit erfolgreichen und Bekannten Sendeformaten und vielen Werbeauftritten ein echter Quotenmagnet, der es versteht, die Zuschauer zu unterhalten. Während Anne Will versucht, die Zuschauer in erster Linie nur zu informieren.
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